„Je mehr Lachen, desto besser“

Mit ihren Späßen und spontanen Geschichten, mit Musik und Gedichten schaffen Klinik-Clowns Ablenkung vom oft beklemmenden Alltag in Kliniken, Seniorenheimen und Hospizen.

„Je mehr Lachen, desto besser“

Bei ihrer ersten Begegnung mit einem Klinik-Clown glaubte Kathrin Schnelle an eine Fata Morgana: Knallbunt und herrlich verrückt anzusehen – „ich musste zwei Mal hingucken“, erzählt sie heute, viele Jahre und viele Clown-Begegnungen später: „Etwas so Absurdes in diesem Umfeld“ - auf der neurologischen Station einer Hamburger Klinik. Die Tochter einer Freundin war damals dort in Behandlung wegen eines Tumors im Gehirn.

Für das Kind seien die regelmäßigen Besuche der Spaßmacher „wie eine Initialzündung zum Leben“ gewesen, sagt Kathrin Schnelle heute. Und auch für die erwachsenen Angehörigen oft das Licht im Dunkel: Die Klinik-Clowns lachen mit den jungen Patienten, schaffen ihnen im Krankenhausalltag Raum, Kind zu sein – und setzen einen positiven Kreislauf in Gang: „Die Kinder freuen sich auf die Besuche der Clowns; die Eltern freuen sich, dass die Kinder sich freuen; und die Kinder sind erleichtert, ihre Eltern einmal nicht bedrückt zu sehen.“

Anfang der 1990er Jahre kam die Idee des US-Arztes Patch Adams, Heilung und Genesung durch Heiterkeit zu unterstützen, nach Europa. Mittlerweile gibt es mehrere Schulen, die auf die außergewöhnlichen Auftritte vorbereiten, und zahlreiche Vereine, in denen die Clowns sich organisieren. Kathrin Schnelle ist Botschafterin für einen von ihnen, den im Jahr 2002 gegründeten Klinik-Clowns Hamburg e.V.

Vor sieben Jahren, nachdem sie im Krankenhaus mit den Klinik-Clowns in Kontakt gekommen war, entschloss sich die gelernte Restauratorin, dem Verein der Spaßmacher als 1. Vorsitzende zu dienen – denn, so Schnelle: „Clowns sind hochsensibel, einfühlsam und zurückhaltend – aber außerordentlich schlecht darin, sich selbst zu vermarkten.“ Der Verein ist einer von zwei Clowns-Zusammenschlüssen in Hamburg; einen Wettstreit gebe es allerdings nicht: „Je mehr Lachen, desto besser“, sagt Kathrin Schnelle. Ohnehin könne ein Verein allein die Clown-Nachfrage der Hamburger Krankenhäuser längst nicht mehr bedienen.

„Je mehr Lachen, desto besser“
Ich wusste: Es ist richtig und wichtig, das zu tun!“
Kathrin Schnelle, 1. Vorsitzende der Klinik-Clowns Hamburg e.V. über ihren ehrenamtlichen Einsatz.
„Je mehr Lachen, desto besser“

„Ich wusste: Es ist richtig und wichtig, das zu tun“, begründet Kathrin Schnelle ihr ehrenamtliches Engagement im Rückblick. Ihr Verein finanziert aus Spendengeldern heute jährlich rund 1500 Clown-Einsätze in Hamburg, 17 Clowns sind in seinem Auftrag unterwegs. Jeden Monat trainieren die Clowns mit Sofia Schneebeli und Birgit Musolf, den beiden künstlerischen Leiterinnen des Vereins. Außerdem wird an Modulen gefeilt für ein Ausbildungskonzept für Clowns in Seniorenheimen. Auf rund 250.000 Euro sei der Etat des allein aus Spenden finanzierten Vereins mittlerweile angewachsen, berichtet Schnelle: „Und dafür muss ich sorgen.“

Seit Schnelle den Vorsitz übernahm, hat sich der Verein professionalisiert: Eine Geschäftsstellenleiterin und eine Bürokraft erledigen viel Administratives, andere ehrenamtlich Tätige neben Kathrin Schnelle engagieren sich in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Einwerbung von Spendengeldern. Sie sei froh, sagt Schnelle, dass der Verein Menschen gefunden habe, die sich einbringen wollten wie sie: „Wie könnte unsere Gesellschaft ohne Ehrenamt funktionieren“, frage sie sich oft. Und verweist auf einen inneren Antrieb, der wohl in vielen Menschen schlummere: „Dinge zu tun, die wichtig sind – und die kein anderer macht.“

 

Zu den zahlreichen Unterstützern der Klinik-Clowns Hamburg e.V. zählt auch die Hamburger Sparkasse: Aus dem Lotterie-Sparen der Haspa und von der HASPA-Stiftung flossen Gelder an den Verein, einzelne Abteilungen haben schon für die Klinik-Clowns gesammelt – und auf dem Stiftungstag des Instituts entstanden wertvolle Kontakte. Die Klinik-Clowns sind zu erleben beim Deutschen Sparkassentag 2019 in der Speakers‘ Corner der Sparkassen-Kampagne „Gemeinsam allem Gewachsen“.