Altersvorsorge: Problem erkannt – Gefahr nicht gebannt!

10.06.2021 Verbraucher, Politik

Das Rentenalter soll, wenn es nach dem wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums geht, in den nächsten Jahren auf 68 angehoben werden. Seit dem Vorstoß der Fachleute wird öffentlich wieder verstärkt über die richtige Antwort auf die Finanzierungsprobleme bei der gesetzlichen Rente gestritten.

Altersvorsorge: Problem erkannt – Gefahr nicht gebannt!

Es ist ein Konflikt mit Ansage: Seit Jahren ist absehbar, dass in Zukunft in Deutschland immer weniger Erwerbstätige die Altersruhegelder von immer mehr Rentnerinnen und Rentnern finanzieren müssen. Während Politikerinnen und Politiker aller Parteien seit Jahren am Rentensystem herumdoktern, haben viele Menschen in Deutschland selbst Vorsorge getroffen. Ihre Selbstverantwortung wird in der politischen Diskussion leider häufig übersehen.

Die Menschen sind zunehmend bereit, für die eigene Altersvorsorge selbst einzustehen. Jüngere fangen früher an, aus eigener Kraft eine Altersvorsorge aufzubauen, der Anteil der Nicht-Sparer geht generell zurück. Das zeigen Zahlen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Auch die Sparformen ändern sich: Rund 2,7 Millionen Menschen in Deutschland haben sich nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) im Jahr 2020 neu für das Sparen in Aktien entschieden.

Die steigende Bereitschaft zur Eigeninitiative spüren auch die Sparkassen: Die Deka, das Wertpapierhaus der Sparkassen, verzeichnet im Jahr 2020 rund 776.000 neue Sparverträge. Im Vorjahr waren es erst rund 620.000 – das Wachstum beschleunigt sich. Insgesamt meldet das Wertpapierhaus der Sparkassen aktuell einen Bestand von über 5,9 Millionen Sparverträgen. Diese private Altersvorsorge ergänzt das Einkommen im Rentenalter und verringert die Rentenlücke.

Wichtig scheint den Sparerinnen und Sparer dabei nicht allein die Geldanlage zu sein, zunehmend nutzen sie auch ihre Souveränität für sinnstiftende Vermögensbildung: 90 Prozent des Neugeschäfts der Deka bestehen heute bereits aus Fonds mit Nachhaltigkeitsaspekten. Das gilt auch für die Angebote in Sparplänen, die bereits ab 25 Euro im Monat möglich sind. Sparkassen unterstützen diesen Wunsch, private Vermögensbildung und ökologische Transformation zu kombinieren: Lange bevor sie von Gesetzes wegen dazu verpflichtet wären, haben die Institute eine Nachhaltigkeitsabfrage standardmäßig in die Anlageberatung integriert.

Die Bereitschaft zur Vorsorge aus eigener Initiative verdient Unterstützung. Denn was der Einzelne für sich tut, kommt ihm zugute und entlastet auch die Gemeinschaft."

Die Kombination aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge in Deutschland gewährleistet Sicherheit, Stabilität und Souveränität: Die umlagefinanzierte Rente bleibt ein unverzichtbares Element der Alterssicherung. Doch wäre es die alleinige Stütze, droht das System sowohl die Beitragszahlenden wie auch die öffentlichen Haushalte zu überfordern. Das gesetzliche Rentensystem braucht Ergänzungen – und zwar solche, die die Wahlfreiheit der arbeitenden Generation nicht über Gebühr beschränken. Sonst könnte es auch zur Gefahr werden für die Balance und den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft.

Jede Diskussion um ein höheres Rentenalter, eine Reform der Riester-Rente oder andere Korrekturen und Verschiebungen zwischen den drei Säulen der Altersvorsorge muss die Eigenverantwortlichkeit der Menschen berücksichtigen und fördern: Altersvorsorge muss einfach und auch mit kleineren Budgets ohne große Einstiegshürden machbar sein.