Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe: Bankenregulierung sollte kommenden Aufschwung unterstützen

11.05.2021 - Pressemitteilung Nr. 19

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe warnen vor möglichen destabilisierenden Effekten der Bankenregulierung auf die Konjunktur. Sollten europäische und nationale Aufseher regulatorische Erleichterungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zu früh zurücknehmen, drohten der Finanzbranche erhebliche Belastungen, die die wirtschaftliche Erholung unnötig bremsen würden, warnen die Ökonomen.

„Die Aufsicht darf, wenn die Konjunktur wieder anzieht, nicht zu früh das zuvor für die Kreditvergabe freigesetzte Eigenkapital wieder begrenzen. Damit würde sie letztlich die Wirtschaftsbelebung schwächen. Denn die Unternehmen brauchen Kapital für Investitionen. Sie müssen nicht nur aus der Krise herauskommen, sondern auch die Digitalisierung und die Transformation in Richtung nachhaltiger Wirtschaftsweisen vorantreiben“, so Dr. Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV).

Als Hemmschuh für die Kreditvergabe könnte sich unter anderem eine übereilte Anhebung des antizyklischen Kapitalpuffers erweisen, der in der Corona-Pandemie abgesenkt worden war. Auch der Ende April 2021 erstmals aktivierte NPL-Backstop bei notleidenden Krediten droht die Möglichkeiten der Banken zur Kreditvergabe zur Unzeit zu beschränken. Nicht zuletzt würde die für 2023 vorgesehene Einführung von Basel IV, insbesondere durch den darin vorgesehenen Output-Floor, das Eigenkapital der Banken belasten und so den Aufschwung bremsen. Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe fordern daher in ihrem unter Federführung der LBBW erstellten Standpunkt besondere Wachsamkeit der Aufsicht und Regulierung.

Die bis dato vorliegenden Ausblicke der Kreditinstitute auf die Gewinnsituation der kommenden Jahre sind geprägt von großer Unsicherheit. Entsprechend vorsichtig und zurückhaltend handeln verantwortungsvolle Kreditinstitute nach dem Gebot eines vorsichtigen Kaufmanns. Zwar gehen die meisten Kreditinstitute mittelfristig wieder von rückläufigen Aufwendungen für die Kreditrisikovorsorge aus, erwarten sie aber weiter auf deutlich erhöhtem Niveau. Selbst über das Jahr 2022 hinaus ist noch keine Normalisierung zu erwarten. Das sollte grundsätzlich bei der Ausgestaltung der Regulierung beachtet werden.

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