Staatsschulden in und nach der Pandemie außer Kontrolle?

27.04.2021 - Standpunkt der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe

In der Pandemie haben die schon vorher weltweit hohen öffentlichen Schulden noch einmal einen Sprung nach oben gemacht. Zwar werden die Haushaltsdefizite nach dem Auslaufen der umfangreichen Stützungsmaßnahmen wieder geringer ausfallen. Der Schuldenberg wird zunächst aber weiter wachsen, da vielerorts aus Rücksicht auf die konjunkturelle Erholung nur relativ zögerlich konsolidiert werden wird.

Chefvolkswirte im Dialog: Gertrud Traud (Helaba) und Reinhold Rickes (DSGV)

In den Industrieländern fiel der Anstieg der Schulden im Schnitt stärker aus als in den Schwellenländern. Die Staatsschuld übersteigt mittlerweile vielerorts 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Um die Tragfähigkeit sicherzustellen, haben die Notenbanken in dieser Krise in vorher unvorstellbarem Ausmaß interveniert.

Das daraus resultierende Niedrigzinsumfeld erleichtert es den Regierungen, die Schulden zu bedienen. Ein nominales Herauswachsen ist allerdings nur bedingt möglich. Selbst mit einer zukünftig wieder etwas höheren Inflation stehen die Industrieländer aus strukturellen Gründen wie der Demografie eher vor einer Wachstumsverlangsamung.

Die aktuelle Geldpolitik birgt zudem spürbare Risiken und Nebenwirkungen, vom Risiko einer entfesselten Inflation bis hin zu Gefahren für die Finanzmarktstabilität. Ein fortgesetzter Kurs des „deficit spending“ wäre daher fahrlässig.

Größere Schwellenländer mit nicht tragfähiger Verschuldung werden mit IWF-Programmen versuchen gegenzusteuern. Einige überschuldete Entwicklungsländer erhalten parallel zu IWF-Programmen Schuldenerlasse. Nach überstandener Krise ist hier jedoch ein erneut starker Verschuldungsanstieg nicht ausgeschlossen.


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