Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe sehen für 2019 Wachstum von 1,3 Prozent, warnen aber vor Risiken

Berlin, 22. Januar 2019 - Pressemitteilung Nr. 2

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe rechnen für das gerade begonnene Jahr mit einem Wirtschaftswachstum in Deutschland in Höhe von 1,3 Prozent. In diesem nach Ansicht der Ökonomen aktuell wahrscheinlichsten Szenario setzt sich der wirtschaftliche Aufschwung – wenn auch in abgeflachter Form – fort.

„Ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent wäre angesichts der globalen Belastungsfaktoren durchaus ein befriedigendes Ergebnis – wenn es denn so kommt. Das Risiko eines Abrutschens vom schmal gewordenen Grat ist jedoch erheblich“, so Christian Lips, Chefvolkswirt der NORD/LB stellvertretend für den Kreis der die Gemeinschaftsprognose tragenden Volkswirte. „Wir haben für die kommenden zwei Jahre ein Rezessionsrisiko von 25 Prozent ermittelt. Das ist weit mehr als ein Randrisiko!“

Risikofelder für eine abnehmende Dynamik der Wachstumsentwicklung in Deutschland in den kommenden beiden Jahren werden insbesondere in den von den USA ausgehenden handelspolitischen Verwerfungen gesehen. Dazu kommen die aktuellen Entwicklungen bezüglich des ungeklärten Brexit-Fahrplans. Finanzpolitische Konflikte im Euroraum gehen einher mit einem erlahmenden Reformeifer einzelner Staaten. Schließlich herrschen an den Finanzmärkten zunehmend Sorgen bezüglich einer zyklischen Wende vor.

Trotz dieser Unwägbarkeiten der Weltwirtschaft sehen die Experten insgesamt aber verhalten positiv in die Zukunft: Stabilisierend wirken für Deutschland insbesondere die anhaltend gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und steigende verfügbare Einkommen. Das Tempo des Beschäftigungsaufbaus flacht sich künftig allerdings leicht ab. Dies liege auch daran, dass der deutsche Arbeitsmarkt inzwischen weitgehend geräumt sei. Dies sei das Spiegelbild des allenthalben beklagten Fachkräftemangels, heißt es.

Vom Ölpreis erwarten die Chefvolkswirte nach der Achterbahnfahrt der vergangenen Monate keine eindeutigen Trends. Die Prognose unterstellt im Mittel einen Preis von rund 65 US-Dollar je Barrel in den beiden Jahren 2019 und 2020, also leicht über dem aktuellen Niveau.

Für die Verbraucherpreisentwicklung insgesamt geht die Prognose davon aus, dass sie sich im laufenden Jahr und auch 2020 jeweils knapp unter der Zwei-Prozent-Marke und damit weitestgehend im Zielkorridor der Europäischen Zentralbank (EZB) einpendelt.

Nach Ansicht der Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe ist diese Entwicklung Anlass genug, um endlich auch im Euro-Raum eine geldpolitische Normalisierung einzuleiten. In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich begrüßt, dass die EZB zum Jahreswechsel ihre Netto-Ankäufe von Wertpapieren eingestellt hat. Ein erster Zinsschritt wird im Herbst 2019 erwartet. Mit einer schnellen Abfolge von Zinsschritten rechnen die Volkswirte allerdings nicht. Ein Ende der Negativzinswelt im Euro wird erst für den Sommer 2020 gesehen.

Für die „Gemeinsame Prognose“ finden sich jedes Jahr acht Chefvolkswirte aus großen Sparkassen, Landesbanken und der DekaBank zusammen:

  • Uwe Burkert (LBBW)
  • Uwe Dürkop (Berliner Sparkasse)
  • Jochen Intelmann (Hamburger Sparkasse)
  • Dr. Ulrich Kater (DekaBank)
  • Christian Lips (NORD/LB)
  • Dr. Jürgen Michels (Bayerische Landesbank)
  • Dr. Gertrud Traud (Helaba)
  • Prof. Dr. Carsten, Wesselmann (KSK Köln)

Koordination: Dr. Holger Schulz (DSGV)


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