DSGV-Präsident Helmut Schleweis: Weiterer notwendiger Schritt auf der Zinstreppe – nun Anleihebestände in den Blick nehmen

15.12.2022 - Pressemitteilung Nr. 53

„Die heute vorgenommene Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank ist ein weiterer Schritt auf dem noch langen Weg der Inflationsbekämpfung“, so Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Zwar werde der steigende Zins für manche Wirtschaftsakteure inzwischen spürbar und steigere die Gefahr einer Rezession in diesem Winter. „Doch das entschiedene Vorgehen ist ohne Alternative. Die Preissteigerungsraten pendeln sich auf sehr hohem Niveau ein, das darf so nicht weitergehen“, ordnet Schleweis die heutige Maßnahme der EZB ein.

In welchem Ausmaß der heutige Schritt auf der Zinstreppe erfolge sei dabei zweitrangig. Entscheidend sei, dass der gesamte Prozess der geldpolitischen Normalisierung weitergehe. Dazu seien auch 2023 weitere Schritte erforderlich. Der Leitzins bleibe dabei natürlich das wichtigste Steuerungsinstrument.

Zur Normalisierung gehöre aber auch, die Quantitäten in den Blick zu nehmen, also die Bilanzsumme des Eurosystems. „Die EZB hat heute erste Überlegungen für ein Abschmelzen ihrer Anleiheportfolios aus ihrem Asset Purchase Programme (APP) vorgestellt.  Es ist gut, dass dies im kommenden Jahr gestartet wird“, so Schleweis. „Es wird nicht genügen, nur an der anderen Bilanz-Baustelle – bei den Langfristtendern TLTROs – auf Rückzahlungen der Kreditinstitute zu setzen.“ Die EZB hatte auf die Rückzahlung gedrängt. Zwei erste kleinere Tilgungswellen habe es zwar gegeben, nachdem die Zentralbank die Konditionen verschlechtert habe. Der größte Teil jener TLTROs erledige sich im kommenden Sommer ohnehin mit deren Endfälligkeiten. Entscheidender seien die Anleihebestände aus den Ankaufprogrammen APP und PEPP. Sie waren und sind für den größten Teil der Überschussliquidität und für die Aufblähung der Bilanzsumme des Eurosystems verantwortlich. Schleweis: „Der Abbau dieser Anleihebestände mit ihrer differenzierten Länder- und Laufzeitstruktur wird eine schwierige Gratwanderung. Doch dieser Weg muss beschritten werden, damit wir zu einer geldpolitischen Normalisierung kommen.“

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