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Wie die Transformation im Mittelstand gelingen kann

Mittelstand im Umbruch
Der Mittelstand steckt in einem tiefgreifenden Wandel. Traditionelle Industrien geraten unter Druck, Investitionen der Unternehmen steigen wieder, innovative Technologien verändern Geschäftsmodelle. Was ist politisch notwendig, um dem Mittelstand zu einem nachhaltigen Aufschwung zu verhelfen?
Das Wichtigste in Kürze
  • Die DSGV-Analyse „Zukunft Mittelstand 2026“ zeigt einen Mittelstand im Umbruch: So sinken einerseits die Erträge während andererseits die Unternehmen wieder beginnen zu investieren.

  • Zugleich steigt die Zahl der Gründungen auf mehr als 69.000 im ersten Halbjahr 2026 und bei den Einhörnern verzeichnet die deutsche Start-up-Szene einen Rekordwert von 38 Unternehmen in diesem Jahr.

  • Um den Mittelstand nachhaltig zum Aufschwung zu verhelfen, braucht es zukunftsfeste Sozialsysteme, Widerstandsfähigkeit gegen Klimafolgen und ein starkes, souveränes digitales Europa.

Man muss schon genau hinschauen, will man die aktuelle Situation des Mittelstands in Deutschland bewerten. Bei dem Blick auf die Unternehmen zeigt sich ein differenziertes Bild: Während traditionelle Industriearbeitsplätze unter Druck geraten, verändern innovative Technologien Geschäftsmodelle und bringen neue Unternehmen hervor.

Noch trägt die Substanz

Die Branchenanalyse „Zukunft Mittelstand 2026“ des DSGV-Branchendiensts zeigt diesen Wandel in Zahlen. Die jährliche Analyse wertet die Bilanzen von Firmenkunden der Sparkassen aus, die rund 40 Prozent aller Umsätze in Deutschland abbilden und somit ein umfängliches Bild vom Mittelstand geben. Im Kern zeigt die Analyse 2026: Die Substanz des Mittelstands trägt noch, doch die Erträge geraten in vielen Bereichen deutlich unter Druck.

Analyse „Zukunft Mittelstand“
Wie steht es um die KMU in Deutschland?

Jährlich wertet der Branchendienst des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) die Bilanzen der Firmenkunden der Sparkassen aus. Grundlage ist das jeweils abgelaufene Geschäftsjahr. Die Analyse bildet rund 40 Prozent aller Unternehmensumsätze in Deutschland ab und bietet damit einen umfangreichen Einblick in die aktuelle Situation des Mittelstands. Die Ergebnisse werden im Jahresbericht „Zukunft Mittelstand“ veröffentlicht, begleitet von einer Pressekonferenz. 

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Zwischen Gewinnanstieg und Rückgang der Umsatzrendite

So verzeichnen viele Branchen für das Jahr 2025 ein Plus in verschiedenen Kennzahlen: Im Baugewerbe steigt der Gewinn um knapp 30 Prozent; in der Immobilienwirtschaft liegt die Rendite bei rund 8 Prozent; und in der Branche der IT-Dienstleister beträgt das Wachstum gut 9 Prozent.

Dem gegenüber stehen herausfordernde Entwicklungen im Metall, Fahrzeug- und Maschinenbau: Hier liegt die Umsatzrendite bei minus 3,9 Prozent, trotz Personalabbau. DSGV-Präsident Ulrich Reuter bezeichnete diese Entwicklung bei der Vorstellung der Analyse „Zukunft Mittelstand 2026“Mitte September 2026 als „ernstes Warnsignal".

Insgesamt sind die Erträge des Mittelstands im Jahr 2025 unter Druck: Die Umsätze steigen mit 2 Prozent lediglich in Höhe der Inflationsrate; das Betriebsergebnis sinkt über alle Branchen hinweg im Durchschnitt um 5 Prozent. Zugleich jedoch ist die Eigenkapitalquote weiter gestärkt.

Die schöpferische Seite des Umbruchs

Während das klassische Geschäftsmodell der deutschen Wirtschaft vor zunehmenden Herausforderungen steht, zeigt sich bei jüngeren Unternehmen und Gründungen ein positives Bild – eine Entwicklung, die den Wandel unterstreicht. Vieles Neues entsteht.

So wurden im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 69.600 Unternehmen mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung in Deutschland  gegründet [1]. Das sind 3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – eine erfreuliche Entwicklung.

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mit größerer wirtschaftlicher Bedeutung wurden im ersten Halbjahr 2026 gegründet – das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Und: Im Jahr 2026 gibt es 38 Einhörner in Deutschland, also Start-ups, die mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet werden. Die Zahl mag zunächst gering erscheinen, doch 2025 waren es noch 26 Einhörner. Das entspricht einem Zuwachs von 46 Prozent innerhalb eines Jahres, ein Rekordwert. Diese neuen Wachstumsunternehmen haben ihre Schwerpunkte in Künstlicher Intelligenz, Robotik, Verteidigung, Energie, Raumfahrt und industrielle Software – Themenfelder, die für Erneuerung stehen und in der deutschen Wirtschaft benötigt werden. 

Eine Milliardenbewertung mag noch keine Garantie auf tatsächlichen Umsatz oder Gewinn sein. Allerdings sind solche Entwicklungen ein positives Signal: Deutschland macht Sprünge nach vorne bei Gründungen im Technologiebereich und bei Schlüsseltechnologien.

"Ich werbe für einen Perspektivwechsel: Wir sehen nicht den wirtschaftlichen Niedergang des Landes. Wir sehen eine grundlegende Transformation."

DSGV-Präsident Ulrich Reuter

Unternehmen beginnen wieder zu investieren

Ein weiteres positives Signal zeigt sich bei der Zusage von Krediten durch Sparkassen an Unternehmen und Selbstständige: So steigen die Kreditzusagen im ersten Halbjahr 2026 um 5,8 Prozent auf 46,6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die KMU wieder beginnen zu investieren.

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Anstieg verzeichnen die Sparkassen bei den Kreditzusagen an Unternehmen und Selbstständige im ersten Halbjahr 2026.

Politischer Rahmen für Wandel im Mittelstand

Um dem Mittelstand zu einem nachhaltigen Aufschwung zu verhelfen, braucht es einen geeigneten politischen Rahmen. Der DSGV sieht drei Ansatzpunkte, um die Transformation zu festigen:

  • Zukunftsfeste Sozialsysteme schaffen

    Die Beiträge zu Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung steigen schneller als die Produktivität und erhöhen die Arbeitskosten. Daher sollten die anstehenden Reformen der Sozialversicherungssysteme nun umgesetzt werden – und ihr Nutzen sollte deutlich herausgestellt werden. Denn die Veränderungen werden allen einiges abverlangen. Umso deutlicher muss werden, wofür die Reformen stehen, warum sie sich lohnen.

  • Widerstandsfähigkeit gegen Klimafolgen stärken

    Die Widerstandsfähigkeit unserer Wirtschaft wird sich an dem Umgang mit den Folgen des Klimawandels messen lassen müssen. Der Sommer 2026 hat mit Hitze und Niedrigwasser verdeutlicht, wie sehr Lieferketten gestört werden können. Klimafolgeanpassung ist daher ein betriebswirtschaftlicher Faktor für Unternehmen und sollte politisch nicht weniger priorisiert werden.

  • Europäische Stärke bei Künstlicher Intelligenz

    Etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen setzt KI bereits ein, im Jahr 2025 waren es rund 40 Prozent. Damit die Chancen von KI tatsächlich genutzt werden können, sollten Arbeitsplätze geschaffen werden und die Wertschöpfung in Deutschland und Europa bleiben. Neun von zehn Unternehmen nutzen laut einer Umfrage des ifo-Instituts digitale Produkte US-amerikanischer Anbieter. Eine solche Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern ist zu hoch und macht deutlich: Die digitale Souveränität Europas muss gestärkt werden. Dabei geht es nicht um Autarkie oder Abschottung – sondern um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und selbstbestimmtes Handeln.

Von Zuversicht zu echtem Wachstum

Verlässliche Rahmenbedingungen wie diese sind notwendig, um vor allem eines bei den Unternehmen zu erreichen: Zuversicht. Und aus Zuversicht können langfristige Investitionen und damit echtes Wachstum entstehen.

Stand: 13.10.2026

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