Anlässlich der Klausurtagung des Bundeskabinetts auf Schloss Neuhardenberg hat DSGV-Präsident Ulrich Reuter für eine ressortübergreifende Reformagenda geworben. Ihr Ziel müsse sein, Produktivität, Wachstum und wirtschaftliche Substanz dauerhaft zu stärken.
„Es geht nicht nur darum, den vorhandenen Kuchen immer neu zu verteilen. Politik muss ermöglichen, dass er wieder wächst“, sagt Reuter. „Gerade in einer alternden Gesellschaft wird Produktivität zu einer Frage der Generationengerechtigkeit.“
Wenn künftig weniger Menschen im Erwerbsleben stünden, müsse Deutschland mehr Wertschöpfung ermöglichen. Dafür brauche es bessere Bedingungen für Investitionen und Innovationen, Digitalisierung, den produktiven Einsatz Künstlicher Intelligenz sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Auch die Rentendebatte dürfe nicht auf einzelne Stellschrauben oder die Lebensarbeitszeit verengt werden. „Die eigentliche Frage ist größer als 63, 65 oder 67“, sagt Reuter. „Wir müssen es mehr Menschen ermöglichen, zusätzlich eigenes Vorsorgevermögen aufzubauen.“ Kapitaldeckung könne dazu beitragen, die Altersvorsorge breiter und generationengerechter aufzustellen. Sparkassen könnten dabei helfen, Kapitalbildung auch mit kleineren regelmäßigen Beträgen in die Breite zu tragen.
Auch bei den öffentlichen Finanzen plädiert Reuter für einen umfassenderen Blick: „Schulden sind nicht per se das Problem. Entscheidend ist, was ihnen gegenübersteht. Auch bei einem Unternehmen schaut niemand nur auf die Verbindlichkeiten, sondern auf die gesamte Bilanz.“
Staatliche Kreditaufnahme könne sinnvoll sein, wenn daraus dauerhaft wirtschaftliche Substanz entstehe. „Generationengerechtigkeit heißt: Wir sollten der nächsten Generation nicht nur Verpflichtungen hinterlassen, sondern eine stärkere wirtschaftliche Basis“, sagt Reuter. „Die entscheidende Frage ist nicht nur, was eine Reform heute kostet, sondern welchen Wert sie morgen schafft.“
Schloss Neuhardenberg, wo das Bundeskabinett am 25. und 26. August 2026 tagt, befindet sich seit 1997 im Eigentum der Sparkassen-Finanzgruppe. Der historische Ort ist eng mit dem Namen des preußischen Reformers Karl August von Hardenberg verbunden. Es ist ein Ort, der wie nur wenige andere für die Fähigkeit des Staates zur Erneuerung steht. Die Stiftung Schloss Neuhardenberg betreibt das Ensemble als Kultur- und Tagungsort.