
Finanzielle Bildung gewinnt gesellschaftlich an Bedeutung: Bürgerinnen und Bürger, Schulen und Politik fordern zunehmend niedrigschwellige, wirksame Angebote. Gleichzeitig verändern sich Zielgruppen und Formate rasant – von klassischen Materialien bis hin zu digitalen und hybriden Lernformaten. Korina Dörr erläutert, wie die Sparkassen-Finanzgruppe darauf reagiert, welche Herausforderungen damit verbunden sind und welche Schwerpunkte künftig gesetzt werden.
Veränderungen im Leben wirken sich in den meisten Fällen unmittelbar auf die persönlichen Finanzen und damit auch auf die finanzielle Zukunft aus. Der Übergang von der Ausbildung in die volle Berufstätigkeit verschafft beispielsweise einen neuen Finanzspielraum, hingegen können familiäre Veränderungen das verfügbare Budget deutlich einschränken. Lebensentscheidungen sind also immer auch Finanzentscheidungen. Hier aktiv und planvoll die eigenen Finanzen zu steuern, trägt wesentlich zu einem finanziellen Wohlbefinden bei. Eine gute Finanzbildung ist der Grundstock und sollte selbstverständlich zum Kanon einer guten Bildung gehören.
Aktuell liegt eine große gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf der Finanzbildung. Auch viele Bürgerinnen und Bürger zeigen hier eine neue Sensibilität und stufen ihre eigene Finanzkompetenz als nicht gut genug ein. So zeigt sich sowohl eine gestiegene Nachfrage als auch eine deutliche Ausweitung von Finanzbildungsangeboten. Die Formate verändern sich dabei sehr dynamisch: digitale Kompetenzen und unterhaltende Formate liegen im Trend; gleichzeitig diversifizieren sich die Angebote – von klassischen Print‑Materialien bis hin zu interaktiven Apps und hybriden Veranstaltungen. Wir möchten unter dem Motto „Finanzbildung für alle“ viele Zielgruppen mitnehmen und bieten deshalb eine breite Palette von Angeboten an. Unter anderem arbeiten wir mit mehr als 700 gemeinnützigen Organisationen, Schulen und sozialen Einrichtungen jährlich zusammen und können so mehrere Millionen Menschen erreichen. Wir bieten Lehrkräften für mehr als 30 Stunden verschiedene Unterrichtsmaterialien an und setzen hier sowohl auf Printhefte als auch digitale Quizze oder Videos – der Mix macht’s. Auch für private Haushalte haben wir vom klassischen Haushaltsbuch über Onlinetools bis hin zur App alle Medienarten abgedeckt. Unser Vortragsservice ist bundesweit mit mehr als 1.700 Veranstaltungen sowohl vor Ort bei den Menschen als auch mit digitalen Events präsent.
Die Nachfrage kommt aus allen Alters‑ und Bildungsschichten. Während Jugendliche und junge Erwachsene digitale Lernformate bevorzugen, sind für ältere Menschen einfach zugängliche Printmaterialien und auch persönlicher Kontakt wichtig. Die Herausforderung besteht darin, ein breites Portfolio an Lernangeboten zu entwickeln, das gleichzeitig auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Wir arbeiten hier im Netzwerk mit weiteren Akteuren der Bildungsarbeit eng zusammen, um möglichst viele gesellschaftliche Gruppen zu erreichen.
Schulen arbeiten nach festen Curricula und Lehrplänen. Finanzbildung muss dort nahtlos eingebettet werden, ohne den regulären Unterricht zu überfrachten. Das erfordert eine gute Abstimmung auf die jeweiligen Lehrpläne und Landesschulgesetze, die Entwicklung von modularen Lehrmaterialien und qualifizierte Referent:innen, die in den Schulen im Einsatz sind.
Politik und Medien verlangen zunehmend Evidenz, dass Bildungsmaßnahmen tatsächlich zu mehr finanzieller Kompetenz führen. Dafür braucht es geeignete Evaluationsinstrumente, um Lernfortschritte und die Wirksamkeit zu messen. Die Bundesregierung hat hierzu verschiedene Forschungsprojekte gefördert, in denen wir als Praxispartner mitwirken. Hier erhoffen wir uns in der nächsten Zeit noch mehr Erkenntnisse zur Wirkungsmessung.
Finanzbildung darf zudem nicht als einmalige Aktion verstanden werden, sondern muss als kontinuierlicher Prozess etabliert werden. Das bedeutet, Lernangebote regelmäßig zu aktualisieren, neue Themen aufzunehmen und langfristige Partnerschaften zu pflegen.
Die Finanzbildung hat auf europäischer Ebene einen großen Schub erhalten. So wurde im Herbst 2025 die europäische Finanzbildungsstrategie veröffentlicht, die der Finanzbildung im Rahmen der Savings und Investments Union (SIU) einen großen Stellenwert einräumt. Als Sparkassen-Finanzgruppe sind wir seit Jahrzehnten anerkannter Bildungsakteur und werden deshalb unsere Erfahrungen auch in die Umsetzungsprozesse der europäischen und nationalen Finanzbildungsstrategie einbringen.
Auch die Empfehlungen der OECD zur Finanzbildung zeigen uns wichtige Handlungsfelder und Zielgruppen auf, die wir mit unserem Angebot abdecken möchten. So führen wir 2026 z.B. unsere Kooperation mit dem Digitalen Engel fort, die insbesondere ältere Menschen und deren finanzielle Inklusion zum Ziel hat. Auch unseren Ansatz, mit dem bundesweiten Vortragsservice Finanzbildung zu den Menschen in ihren jeweiligen Lebensräumen zu tragen, werden wir weiter ausbauen. Dies passt zu dem Sparkassenkern, für alle Menschen und in allen Regionen da zu sein. Einen weiteren Entwicklungsschwerpunkt legen wir auf die schulische Finanzbildung, indem wir vielfältige ready-to-use Angebote bereithalten, um die Lehrkräfte bestmöglich bei einer lebensnahen Vermittlung von Finanzwissen zu unterstützen. Unser mehrfach ausgezeichnetes Angebot werden wir der Zielgruppe über die verschiedenen Bildungsplattformen vorstellen und zudem, wie jedes Jahr auf der didacta, der größten Bildungsmesse, präsent sein.