Bilanzpressekonferenz der Sparkassen-Finanzgruppe

15.03.2016 – Statement von Georg Fahrenschon, Präsident des DSGV

Statement des Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, anlässlich der Bilanzpressekonferenz des DSGV am 15. März 2016 in Frankfurt am Main

Es gilt das gesprochene Wort.


Meine sehr geehrten Damen und Herren,

herzlich willkommen zur Bilanzpressekonferenz der Sparkassen-Finanzgruppe. Es freut mich, dass neben Herrn Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis erstmals Herr Dr. Joachim Schmalzl mit an Bord ist. Als langjähriges Vorstandsmitglied der Sparkasse KölnBonn bringt Joachim Schmalzl hohe Kompetenzen, insbesondere in den Bereichen Prozess- und Produkt¬management sowie Controlling, Finanzen und Risikomanagement mit. Er verantwortet im DSGV seit dem 1. März den Geschäftsbereich Markt-, Betriebs- und Personalstrategie

2015 war für die Sparkassen ein gutes Jahr – vor allem, wenn man die zinsbedingt sehr schwierigen Rahmenbedingungen bedenkt:

•    Das Einlagenvolumen konnte deutlich gesteigert werden.
•    Im Unternehmens- und Wohnungsbaukreditgeschäft haben wir Rekordergebnisse erreicht und damit die zusätzlichen Einlagenvolumina sinnvoll investiert.
•    Und im operativen Ergebnis liegen wir praktisch auf Vorjahresniveau, wenn wir die stark gestiegene Bankenabgabe einmal außen vor lassen. 

Wir wissen, dass uns die Zinspolitik der EZB in den nächsten Jahren unternehmerisch in höchstem Maße fordern wird. Dieser Situation können wir aus einer Position der Stärke begegnen:

•    Die Sparkassen haben allein 2015 6,2 Mrd. Euro erwirtschaftet, die die Vermögenssubstanz deutlich erweitern. Damit wird der nachhaltige Aufbau von  Eigenkapital fortgesetzt.
•    Und die Sparkassenvorstände haben unternehmerisch entschlossen gegengesteuert und werden dies auch weiterhin tun. 

Um die volkswirtschaftliche Stabilität in Deutschland insgesamt muss man sich aber Sorgen machen. Dazu später.

Lassen Sie mich zuvor die einzelnen Zahlen erläutern:

    Die Bilanzsumme der Sparkassen betrug zum 31.12.2015 insgesamt 1.145 Mrd. Euro, 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Nun hatten in der Vergangenheit viele Beobachter vermutet, in Niedrigstzinszeiten würden Kunden tendenziell ihre Einlagen bei Sparkassen abziehen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Kundeneinlagen sind mit plus 3 Prozent oder 24,8 Mrd. Euro sogar stärker gewachsen als in den Vorjahren. Besonders stark war das Wachstum mit 3,6 Prozent bei Einlagen von Privatpersonen. Natürlich findet dieser Zuwachs zinsbedingt in Sichteinlagen statt.

    Im Kreditgeschäft können wir gleich zwei Rekordmarken vermelden: Im Kreditneugeschäft mit Unternehmen und Selbständigen haben die Sparkassen um 16,9 Prozent zugelegt. 81,2 Mrd. Euro wurden allein dort an neuen Krediten vergeben - 11,8 Mrd. Euro mehr als im Jahr 2014. Und im privaten Wohnungsbaukreditgeschäft wuchsen die Neuzusagen sogar um 23,3 Prozent – das bedeutet neue Kredite in einem Volumen von 52,2 Mrd. Euro. Noch nie in der Geschichte haben die Sparkassen so vielen Menschen zum eigenen Haus oder der eigenen Wohnung verholfen.

    Für viele Kreditnehmer war es in der Niedrigzinsphase sehr attraktiv, vorzeitige Tilgungen höher verzinster Darlehen vorzunehmen. Deshalb ist es besonders erfreulich, dass wir auch den Bestand an Kundenkrediten um 3,4 Prozent ausweiten konnten. Die Sparkassen hatten zum Jahresende Kredite in Höhe von 745 Mrd. Euro in den Büchern.

    Der Bestand an Unternehmenskrediten wuchs deutlich um 3,7 Prozent oder 12,8 Mrd. Euro. Da auch die Einlagen der Unternehmen markant gewachsen sind, hat sich deren Liquiditätssituation nochmals verbessert. Der Marktanteil der Sparkassen im Kreditgeschäft mit Unternehmen hat sich nochmals um 0,6 Prozentpunkte erhöht.

    Und auch im privaten Wohnungsbaukreditgeschäft haben wir den Bestand um 4,5 Prozent steigern können. Auch hier waren wir besser als der Gesamtmarkt und haben den Marktanteil nochmals um 0,3 Prozentpunkte auf 34,9 Prozent gesteigert.

    Gerade in dieser schwierigen Zeit zahlt sich das Geschäftsmodell der Sparkassen, aus Einlagen Kredite zu machen, besonders aus: Wir konnten alle neu eingeworbenen Einlagen in gutes Kreditgeschäft in der Region, in Wohnimmobilien und in Unternehmenskredite, investieren.

    Gute Ergebnisse sehen wir auch im Kundenwertpapiergeschäft. Hier wurde der Gesamtumsatz des Vorjahres um 10,2 Prozent und damit deutlich übertroffen. Besonders stark gefragt waren Aktien und Investmentfonds. Bei den festverzinslichen Wertpapieren waren die Umsätze hingegen rückläufig. Sparkassen und die Deka führten 2015 6,3 Mio. Kundendepots. Der Nettoabsatz ist mit plus 7,2 Mrd. Euro der beste Wert seit dem Jahr 2007. Besonders gefragt waren dabei gemischte Fonds.

    Wir haben hier mit einer Wertpapieroffensive durch die Konzeption des DSGV, die bessere Unterstützung der Sparkassen durch die DekaBank und vor allem durch die Vertriebsanstrengungen der Sparkassen selbst einen sehr schönen gemeinsamen Erfolg erzielen können.

    Die DekaBank ist natürlich der bevorzugte Partner der Sparkassen. Allerdings sind Vorstellungen, die Sparkassen würden nur Deka-Produkte verkaufen, falsch. Etwas mehr als ein Viertel aller verkauften Fonds kamen von Anbietern außerhalb der eigenen Gruppe. Entscheidend ist immer, was die Kunden wollen, und was für sie das Beste ist.

    Die breite Produktaufstellung und die gute Beratung der Sparkassen haben bewirkt, dass die Kunden der Sparkassen ein zusätzliches Vermögen von 34,2 Mrd. Euro bilden konnten. Das ist mit einer Steigerung von 26,3 Prozent der beste Wert seit 14 Jahren.

    Natürlich gilt in Zeiten von Niedrigstzinsen der Ertragslage der Sparkassen eine besondere Aufmerksamkeit. Deshalb vorweg eine erfreuliche Botschaft: Die Sparkassen konnten die zwangsläufigen Rückgänge im Zinsüberschuss durch deutlich höhere Provisionsüberschüsse mehr als kompensieren. Der Zinsüberschuss betrug 2015 23,0 Mrd. Euro. Das sind 154 Mio. Euro weniger als im Vorjahr, aber deutlich mehr, als viele Beobachter vermutet haben. Der Provisionsüberschuss hingegen konnte um 336 Mio. Euro gesteigert werden. Hier spiegeln sich Provisionszuwächse aus dem Giroverkehr, dem Kartengeschäft, dem Vermittlungsgeschäft und – besonders – aus dem Wertpapiergeschäft wider. Die Erträge liegen damit insgesamt um rund 182 Mio. Euro über den Vorjahresergebnissen.

    Beim Verwaltungsaufwand hatten wir 2015 zwei Sondereffekte, die fast den gesamten Zuwachs von rund 300 Mio. Euro ausmachen. Erstens der spürbare Lohnzuwachs aus der Tariferhöhung im März 2015. Obwohl die Sparkassen ihre Mitarbeiterzahl um 2,7 Prozent vermindert haben, mussten sie 174 Mio. Euro mehr Personalkosten aufwenden. Der zweite Grund ist die kräftig gestiegene Bankenabgabe. Diese belastet die Institute mit 113,1 Millionen Euro, rund 100 Millionen mehr als 2014. Insgesamt betrug der Verwaltungsaufwand 19,4 Mrd. Euro. Mit 10,8 Mrd. Euro lag das Betriebsergebnis vor Bewertung 2015 fast auf Vorjahresniveau.

    Einen sehr positiven Effekt gibt es im Bewertungsergebnis. Erstmalig waren bei der Risikovorsorge im Kreditgeschäft die Zuschreibungen höher als die Abschreibungen. Damit ergibt sich für 2015 ein Bewertungserlös von 200 Mio. Euro. Dieser auf den ersten Blick erstaunliche Umstand hat mehrere Ursachen: Die stabile Konjunktur, die guten Bonitäten unserer gewerblichen Kunden und vor allem eine sehr vorsichtige Risikopolitik der Sparkassen. Denn Zuschreibungen bedeuten, dass in der Vergangenheit eingeplante Wertberichtigungen nicht eintreten. Ich denke, es ist auch ein gutes Signal an die Aufsicht und an die Träger, dass die Sparkassen so konservativ ihre Kreditengagements bewerten.

    Im Depot-A waren zinsbedingt Abschreibungen in Höhe von 500 Mio. Euro erforderlich, nach Zuschreibungen von 500 Mio. Euro im letzten Jahr. Vor allem dieser Effekt ist es, der das Jahresergebnis insgesamt beeinflusst.

    Ganz besonders möchte ich Ihren Blick auf die nochmals in Höhe von 4,2 Mrd. Euro neu gebildeten Vorsorgereserven lenken. Damit haben die Sparkassen in den letzten fünf Jahren in Höhe von 19,4 Mrd. Euro neue Vorsorgereserven gebildet. Das geschieht vor allem mit Blick auf die absehbaren Belastungen der Niedrigzinsphase. Deshalb werden Sie verstehen, dass wir den nächsten sehr schwierigen Jahren mit einem gesunden Selbstbewusstsein entgegensehen.

    Das Ergebnis vor Steuern lag 2015 bei 4,6 Mrd. Euro. Das waren 200 Mio. Euro weniger als 2014. Der Fiskus kann sich über Steuerzahlungen in Höhe von 2,6 Mrd. Euro freuen. Damit sind die Sparkassen wiederum einer der größten Steuerzahler in Deutschland. Der Jahresüberschuss nach Steuern liegt mit 2,0 Mrd. Euro etwa auf Vorjahresnivau. Ich weise aber nochmals darauf hin, dass man diese Zahl im Zusammenhang mit den Vorsorgereserven sehen muss.

    Die Kernkapitalquote ist von 14,5 auf 14,8 Prozent nochmals gestiegen. Nach Bewertung haben die Sparkassen 2015 65,60 Euro aufwenden müssen, um 100 Euro Ertrag zu erreichen. Mit diesen Ergebnissen, vor allem mit der Substanzstärkung von 6,2 Mrd. Euro, haben die Sparkassen angesichts schwierigster Marktbedingungen ein gutes Jahr hingelegt – viel besser als uns einige Marktbeobachter zugetraut haben.

    Es ist aber angesichts der Zinspolitik der EZB klar, dass sich diese guten Ergebnisse in den nächsten Jahren nicht wiederholen werden. Die Sparkassen werden vielmehr unternehmerisch sehr stark gefordert werden. Deshalb ist entschlossenes Handeln notwendig. Vor allem vier Punkte möchte ich erwähnen: Wir werden weiter an der Ertragslage arbeiten. Hier wollen wir vor allem im Kreditgeschäft weiter qualitativ wachsen und dabei möglichst auch weitere Marktanteile von Wettbewerbern gewinnen.

    Wir werden das Provisionsgeschäft weiter forcieren. Vor allem im Wertpapiergeschäft sehen wir noch deutliche Chancen. Dazu wird die Beratungskompetenz weiter ausgebaut. Dem dient nicht zuletzt der Umbau unseres Geschäftsstellennetzes.

    Wir werden angesichts der Zinslandschaft unsere Leistungen verursachungsgerechter bepreisen müssen. Quersubventionierungen durch Zinsüberschüsse sind nicht mehr möglich. Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei. Alle Marktteilnehmer müssen angesichts der falschen Zinspolitik neue Ertragsquellen erschließen.

    Wir werden die Kosten begrenzen. Bereits 2015 haben die Sparkassen 6.427 freigewordene Stellen nicht wieder besetzt. Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird. Angesichts einer jährlichen Fluktuationsrate von 3,5 Prozent ist der notwendige Personalabbau sozialverträglich möglich.

    Für nicht sachgerecht halte ich es allerdings, die Veränderungen im Geschäftsstellennetz in erster Linie als Einsparungsmaßnahmen zu begreifen. Tatsächlich investieren die Sparkassen massiv in die Zugangswege. Sie müssen dies tun, weil sich die Kundenbedürfnisse verändern:

    Die Zahl der Online-Kontakte nimmt massiv zu. Mit 2 Mrd. Online-Kontakten jährlich, rund 800 Mio. über die Sparkassen-App, sind die Sparkassen bereits jetzt die größte Online-Bank Deutschlands. Das bauen wir weiter aus. Herr Dr. Schmalzl wird dazu gleich noch einige Worte sagen.

    Und der Bedarf in den Geschäftsstellen ändert sich deutlich. Abwicklungs- und Transaktionsaufgaben werden immer stärker online erledigt.

    Von einer Geschäftsstelle wird heute mehr und bessere Beratung erwartet. Das können Kleinstgeschäftsstellen immer weniger leisten. Deshalb wird ihre Zahl weiter sinken. Das zeigt ganz klar den Weg hin zu größeren und qualitativ besseren Geschäftsstellen.

    Ich möchte Ihnen auch kurz die Geschäftsentwicklung der Verbundunternehmen in der Sparkassen-Finanzgruppe vorstellen. Die Landesbanken bleiben weiterhin auf Konsolidierungskurs: Die Risikoaktiva haben erneut auf insgesamt 347,3 Mrd. Euro in 2015 abgenommen, das sind 6,4 Mrd. Euro weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig ist die Kernkapitalquote weiter angewachsen von 13,2 Prozent in 2014 auf nun mehr 13,6 Prozent. Weniger Risikogeschäft, mehr Solidität. Mit dieser Formel lässt sich die derzeitige Entwicklung der sieben Landesbankkonzerne zusammenfassen.

    Im Geschäftsjahr 2015 hat die Deka-Bank ihr Geschäftsmodell als Wertpapierhaus der Sparkassen konsequent weiterentwickelt. Der Nettoabsatz mit Sparkassenkunden lag mit 5,97 Milliarden Euro um 150 Prozent über dem Vorjahr. Zugelegt haben vor allem Dachfonds, Immobilienfonds und die Vermögensverwaltung. Insgesamt legte die Nettovertriebsleistung der Deka-Gruppe im Fonds- und im Zertifikategeschäft 2015 erneut deutlich zu. Die Total Assets stiegen auf 240 Mrd. Euro (2014: 220 Mrd. Euro). Nähere Einzelheiten sowie detaillierte Zahlen zum Geschäftsjahr 2015 wird die DekaBank auf ihrer Bilanzpressekonferenz am 12. April 2016 vorstellen.

    Die Landesbausparkassen haben 2015 ein Neugeschäft mit einem Volumen von 36 Mrd. Euro erreicht. Das ist das zweitbeste in der Geschichte der LBS-Gruppe. Auszahlungen bei Vorfinanzierungskrediten in Höhe von 3,5 Mrd. Euro bedeuten ein Plus von 5,8 Prozent. Insgesamt zählen die Landesbausparkassen zum Jahresende annähernd 9 Mio. Kunden und 10,6 Mio. Bausparverträge mit einem Volumen von 289 Mrd. Euro. Mit einem Marktanteil von 37 Prozent im Neugeschäft sind sie der klare Marktführer im Bausparmarkt.

    Trotz niedriger Zinsen und einer spürbaren Investitionszurückhaltung der Unternehmen steigerten die Sparkassen ihr gemeinsames Leasinggeschäft mit der Deutschen Leasing im Jahr 2015 auf 3,54 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 8,5 Prozent. Die Deutsche Leasing ist damit doppelt so stark wie der Gesamtmarkt gewachsen.

    Nach ersten Berechnungen haben die Versicherungen der Sparkassen im Geschäftsjahr 2015 ihre Bruttobeitragseinnahmen auf 21,4 Mrd. Euro steigern können. Während die Branche im vergangenen Jahr mit einem Wachstum von durchschnittlich 0,5 Prozent nahezu stagnierte, verbuchten die öffentlichen Versicherer aufgrund einer erfolgreichen Marktbearbeitung einen Zuwachs von mehr als 3 Prozent.

    Die Sparkassen-Finanzgruppe kann der zinsbedingt sehr schwierigen Marktsituation aus einer Position der Stärke heraus begegnen. Jeder Zweite in Deutschland hat seine Hauptbankverbindung bei einer Sparkasse. Der nächste Wettbewerber kommt auf 25 Prozent, die größte Direktbank auf etwa 3 Prozent. Rund 50 Millionen Kunden vertrauen unseren Instituten. Dieses Vertrauen zu erhalten, ist unsere wichtigste Aufgabe.

    Sie wissen, dass die Politik die Kreditwirtschaft vor wenigen Wochen verpflichtet hat, Konten für Jedermann zu führen. Die Sparkassen haben bereits im vergangenen Jahr rd. 1,4 Millionen Bürgerkonten geführt. Jetzt sind nach einer aktuellen Abfrage bei unseren Instituten noch einmal rund 250.000 Flüchtlingskonten hinzugekommen. Damit sind Sparkassen praktisch die einzige Kreditinstitutsgruppe, die sich flächendeckend dieser wichtigen Aufgabe stellt. Dazu gehen unsere Berater auch direkt in Flüchtlingsunterkünfte oder betreiben zusätzliche Anlaufstellen für Flüchtlinge.

    Als Teil unseres besonderen Auftrages sehen wir es auch an, vor allem die privaten Kunden vor den gravierenden Auswirkungen der Geldpolitik der EZB zu schützen. Kurzfristig geht es vor allem darum, die Sparer vor Negativzinsen zu bewahren. Das wollen wir sicherstellen. Und das wird sicher auch zu Lasten der Ertragslage der Sparkassen gehen. Dennoch wird kein Marktteilnehmer auf Dauer gegen künstlich veränderte Marktbedingungen agieren können. Deshalb rechne ich damit, dass wir im Markt bei großen Einlagenvolumina gewerblicher Anleger schon bald Verwahrgebühren sehen werden.

    Noch viel größere Belastungen der Kunden sehe ich aber auf mittlere und längere Sicht. Denn von fehlenden Zinsen und Zinseszinsen sind vor allem die Alterversorgungen der Deutschen betroffen. Hier wird teilweise krass unterschätzt, welche Lücken sich hier im Alter auftun werden. Davon werden viele betroffen sein, auch Institutionen wie die gesetzlichen und privaten Krankenversicherer, Pensionsfonds, die Zusatzversorgungen, die gesetzliche Rentenversicherung, Stiftungen und Industrie und Mittelstand bei nicht mehr ausfinanzierten Pensionszusagen.

    Wir sollten uns von kurzfristigen Entwicklungen nicht täuschen lassen: Die Geldpolitik der EZB hat für die vorhandene Vermögenssubstanz  langfristig eine verheerende Wirkung. Sie belohnt die Schuldner und schädigt die Gläubiger. Es drohen mittelfristig in allen davon betroffenen Lebensbereichen höhere Beiträge. Spätestens damit ist die Niedrigzinspolitik der EZB dann in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

    Deshalb noch einmal ganz deutlich: Die Geldpolitik der EZB ist falsch. Sie ist gefährlich. Sie ist nutzlos, weil keinerlei positive Effekte mehr erkennbar sind. Und sie ist aus unserer Sicht auch nicht mehr sachgerecht, weil sie sich an einem angesichts der Ölpreisentwicklung nicht sinnvollen Inflationsziel ausrichtet. Die EZB verfehlt ihre eigenen Ziele und verführt zu einer sorglosen Risikopolitik. Der letzte Donnerstag war ein schwarzer Tag für die Vermögenslage unserer Bevölkerung und für eine nachhaltige Finanzpolitik.

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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